Venedig/Stadtgeschichte – Warum kennt man hier die Pfahlgründung?

 

Die Geschichte der Pfahlgründung ist eng mit der Stadtgeschichte von Venedig verknüpft – schließlich gilt die italienische Stadt als größte Pfahlgründung überhaupt und ist damit eines der prominentesten Beispiele für diese spezielle Bauweise.


Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Gebäude der „Schwimmenden Stadt" unter anderem auf den angespitzten Holzstämmen gebaut. Ein anderer Teil der Häuser steht auf dem sandigen Untergrund der zahlreichen Inseln, die durch Brücken miteinander verbunden und von Kanälen getrennt sind.

Ursprünglich nahm man an, dass die gesamte Stadt auf Holzpfählen errichtet worden sei. Das stellte sich später als falsch heraus. Viele Fundamente ruhen direkt auf dem Boden der Inseln. Dazu zählen auch viele Kirchen und Paläste. Die Mauerreihen wurden beim Bau meist parallel, senkrecht zum Kanal angeordnet.

Bis zu 80 Zentimeter tief reichen die Fundamente in den Boden hinein. Im Vergleich zu Pfahlgründungen ist diese Bauweise jedoch weniger langlebig.

Sichere Verankerung im Boden

Pfahlgründungen boten im alten Venedig je nach Lage einen entscheidenden Vorteil: Die Häuser konnten auch in Böden sicher verankert werden, die für sich genommen eine sehr schlechte Tragfähigkeit besaßen. Auch war es dadurch möglich Häuser auch auf engem Raum zu errichten.

Wenn die Holzbalken der Pfahlgründungen ständig im Wasser stehen, gelten sie als außerordentlich langlebig. Es wurden Gebäude in entsprechender Bauweise bei den alten Römern entdeckt, die noch immer gut erhalten sind. Anders verhält es sich, wenn der Wasserpegel sich stetig ändert.

In solchen Fällen wird das Holz durch den Kontakt mit der Luft angegriffen und früher oder später morsch. Die Tragfähigkeit des darauf befindlichen Gebäudes vermindert sich dann. Ein Wohnen in den alten Häusern wird dann gefährlich. Allerdings verhält es sich mit den modernen Pfahlgründungen anders.

Pfahlgründung zum Schutz der Häuserfassaden

Längst nicht so viele Gebäude wie angenommen wurden in Venedig als Pfahlgründung errichtet. Welche Bauweise bevorzugt wurde, hing in erster Linie mit der Lage des zu errichtenden Gebäudes zusammen.

Die Häuserfassaden, die zu den Kanälen hin gebaut sind, sind in der Regel auf Baumpfählen errichtet worden. Dass diese Bauweise insbesondere in entsprechenden Lagen bevorzugt wurde, hängt damit zusammen, dass die Mauern so besser geschützt werden. Es sollte verhindert werden, dass die Gebäude zum Gewässer hin abrutschen.

Meist wurden Baumpfähle aus Eiche, Erle oder Pappel in einem Abstand von etwa einem halben Meter in den Boden gerammt. Der Zwischenraum wurde mit Materialien wie Lehm ode Schlick aufgefüllt. Das verlieh der Konstruktion Auftrieb.

Vor allem bei größeren Gebäuden wurden zum Bau häufig Pfahlgründungen gewählt. Diese befanden sich unterhalb des Mauerwerks, darüber lagen Balken, die das Gebäude stabilisiert haben. Auf die Holzpfähle wurden Holzbohlen gesetzt. Diese Lärchenbretter trugen wiederum ein Fundament, das etwa einen halben Meter dick war.

Zum Schutz vor eindringendem Wasser besitzen alle venezianischen Gebäude einen rund 30 Zentimeter breiten Sockel, der aus istrischem Stein gebaut wurde. Dieser gilt als besonders wasserdicht und verhindert, dass Wasser in das Gebäude dringt.

Besonders beliebt bei imposanten Gebäuden

Ein berühmtes venezianisches Bauwerk, das auf Baumpfählen steht, ist die Santa Maria della Salute. Angeblich ruht die barocke venezianische Kirche auf mehr als einer Million Holzpfählen der Länge von je vier Metern. Es ist strittig, wie viele Pfähle es genau sind – einig ist man sich nur, dass es mehr als eine Million sein sollen.

Viele der Wohn- und Handelshäuser, Casa-Fondaco genannt, wurden ebenfalls mit der Pfahlgründung errichtet. Ein Fundament aus Stein bildete die Grundlage für die Errichtung der Gebäude.

Während die Pfahlgründungen auch nach Jahrhunderten noch sicher im Wasser stehen, drohen die Gebäude, die unmittelbar auf dem Untergrund errichtet worden sind, im Wasser zu versinken. Das liegt daran, dass das Gewicht des Bauwerks den matschigen Boden verdrängt. Pro Jahr sinken entsprechende Gebäude um mehrere Millimeter.

Im Laufe der Zeit haben sich einige Gebäude in Venedig so stark abgesenkt, dass das Erdgeschoss nicht mehr bewohnt werden kann. Mehr als 23 Zentimeter sollen die direkt auf dem Untergrund errichteten Häuser in den vergangenen hundert Jahren nach unten gesunken sein. Daher wird ersichtlich, warum eine Pfahlgründung für die Stadt von Vorteil ist.

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